Eugen Reiff

Als »Rucksackpfarrer« war er im Schwarzwald bekannt. In die entlegensten Höfe brachte er mit, was dort gebraucht wurde. Zugleich war er eine bischöfliche Gestalt. Er war in allen Lebensgebieten bewandert, außer in Musik. »Schlechthin unmusikalisch«, so sagte er humorvoll von sich selbst. Er war rasch im Auffassen; er erkannte in allem schnell das Wesentliche. Wie wenig andere konnte er klar sagen, was gesagt werden musste. Vielleicht wählte man ihn deshalb, wo immer er arbeitete, rasch zum Vorsitzenden.

Er »erfand« den Christlichen Volksdienst. Er brachte Professor Adolf Schlatter mit dem Calwer Verlag zusammen. Im württembergischen Kirchenparlament war er nach dem Tode von Prälat Römer der Leiter der »Gruppe l«, der sog. »Positiven«.

Von Freudenstadt sagte man im Scherz, dass es dort drei Dekane zugleich gebe: nämlich den eigentlichen Dekan, dann Pfarrer Arthur Stiefenhofer vom »Palmenwald« und dann den Eugen Reiff aus Mitteltal.

Als 1929 Kirchenpräsident Merz starb, sahen viele in ihm den kommenden Bischof. Er aber sagte nur: »Gott sei Dank, dass ich nichts zu werden brauche!« Grund der Ablehnung, war seine langjährig nervenkranke Frau. Noch entscheidender aber war seine Liebe zum Pfarramt.

Dreißig Jahre lang war Mitteltal seine einzige Gemeinde. Seine ganze Liebe gehörte der Seelsorge und der Gemeindearbeit. »Lebendige Gemeinden in der Volkskirche«, das war sein Programm. Er trat ein für ein vertrauensvolles Miteinander von Volkskirche und pietistischen Gemeinschaften, diakonischen und missionarischen Werken und evangelistischen Aktionen.

Von Haus aus war er wohl eher ein zweifelnder Theologe gewesen. Sein Vikarsvater Bihlmeier führte ihn behutsam zum »Christus der Bibel«. Von da an verkündigte er nicht mehr nur, was wir Menschen tun sollen, sondern was Christus für uns Arme tut.

Kurz nachdem 1929 Theophil Wurm zum württembergischen Kirchenpräsidenten gewählt worden war, verstarb Eugen Reiff am Reformationstag desselben Jahres nach ganz kurzer Krankheit.